„Ich habe einen Traum: München plastikfreie Stadt! Dann folgt die ganze Welt“ – Teil 4

Getreide aus dem Glas, ohne Plastikverpackung zum Abfüllen
Getreide aus dem Glas, ohne Plastikverpackung zum Abfüllen

Ansetzen ist immer möglich

Der kleine Bioladen in Schwabing, wo ich regelmäßig einkaufe, hat kurzerhand die Plastiktüten abgeschafft. Groß war das Gemotze, das die VerkäuferInnen sich anfangs noch anhören mußten, nun ist alles vergessen, es gibt keine Plastiktüten mehr, Punkt. Die Kunden sind deshalb nicht ausgewandert, sondern haben diesen Schritt akzeptiert und können gut damit weiterleben. Es ist also erstaunlich, weshalb viele Läden sich streng weigern, diesen Schritt zu tun. Es braucht nur ein bissl gesunden Menschenverstand, um Maßnahmen zu ergreifen, die schon viel bewirken. Aber es bedarf auch ein mutiges, ernsthaftes Einschreiten der Politik, damit entsprechende Gesetze erlassen werden.
Der nächste Schritt im Bioladen wird das Abschaffen der Plastikdeckel auf dem „Kaffee-zum-davon-laufen“. Bei solchen Schritte kann Katrin mit Rat zur Seite stehen und ist eine zuverlässige Begleiterin, die immer neue Ideen entwickelt und innovative Konzepte in die Welt setzt. Dabei bedeutet innovativ nicht nur das Zurückgreifen auf neue Produkten, sondern auch vielleicht der Verzicht auf gewisse liebgewordenen bequeme Gewohnheiten. Sie sucht Alternativen, die die „Wohlfühlgrenze“ der Einzelnen nicht überschreiten. „Braucht man das? Geht das nicht ohne?“ Mit dem Ergebnis, das Verzicht schließlich ein Gewinn für alle ist. Nur so kann man die Leute davon überzeugen, ihr Verhalten zu überdenken und zu ändern, so wie manche unnötige Dinge aus ihrem Leben zu streichen, nach dem bekannten, immer aktuelleren Motto: „weniger ist mehr“.

Vom Kochsackerl zur Kochbar

In Papier abgepackte hochwertige Bio-Lebensmittel anzubieten reicht es Katrin bei weitem nicht. Auch nicht, wenn ihr Konzept vom „Kochsackerl“ sich zum Renner entwickelt: In seinem Basis-Konzept ist es ein Rezept, dessen trockenen Zutaten – von Katrin geliefert – sorgfältig einzeln per Hand in Papiertüten zusammengestellt werden, und zu denen man nur noch die frischen braucht, damit mit wenig Aufwand ein schönes Gericht gezaubert wird. Darüber hinaus sucht sie auch das Gespräch mit der Industrie und den Produzenten, damit das Problem erkannt und angegangen wird. „Großartig“ sei jeder Erfolg, den sie verzeichnet, so klein sei er, wenn z.B. ein Produzent sich über seine überflüssige Verpackung Gedanken macht und ihr neue, sinnvollere Lösungen anbietet. Erst das Gespräch mit der hartnäckigen Katrin hatte ihn dazu gebracht. Klein anfangen ist besser als gar nichts tun und dennoch laut posaunen: „Man müßte…“ Katrin muss gar nichts, sie tut es. Aus Lust und Freude an ihrer Vision, da steckt die Treibkraft ihrer Überzeugung.
In Katrins Kopf sprudelt es nur so vor Ideen: gleich rechts vom Eingang gibt es mittlerweile die „Kochbar“, wo man mittags eine Suppe und auch Kleinigkeiten zu essen bekommt. Und so klein ist alles nicht mehr, denn das Sortiment wächst von Woche zu Woche. „Work in Process“ könnte nicht besser illustriert werden als von der Plastikfreien Zone! Dabei schaut Katrin ganz genau hin und verfällt dem Charme eines Konsumhypes nicht, wie z.B. dem des gerade hochgepriesenen Ökoplastiks, der sich wie der Biosprit als ein auf langer Sicht untragbarer Ökodesaster entpuppt: Um 1 Liter Biosprit zu produzieren braucht man 70.000 Liter Wasser, geschweige z.B. die Abholzung in Brasilien, und der Bioplastik kann als Öko-Bilanz seine für die Landwirtschaft verheerenden Monokulturen, um Stärke aus Mais oder Kartoffeln (mit Pestiziden zufällig? Oder vielleicht als GMOs?) zu gewinnen, vorweisen. Verrotten tut er auch nicht sofort, sondern braucht mindestens 3 Jahren und recyceln lässt er sich nur in speziellen Anlagen…

B – wie Beratung – wird hier großgeschrieben

Für viele Menschen, die in die Plastikfreie Zone zum ersten Mal kommen, sind einige Produkte gewöhnungsbedürftig und manche Aufklärungsarbeiten werden von Katrin Schüler abverlangt. Bei der exotisch anmutenden Zahnbürste aus Büscheln von dem „salvadora persica L.“ trifft Katrin erst auf Skepsis. Aber von jedem Produkt, den sie verkauft, ist sie überzeugt und benützt es selber. Entweder haben die Leute, die zu Katrin finden, ein Aha-Erlebnis gehabt und sind allein darauf gekommen, dass sie selber an ihre Gewohnheiten etwas ändern sollten, bevor sie die Welt verändern wollen. Oder sie haben den Laden zufällig entdeckt und schauen neugierig herein, informieren sich, lassen sich inspirieren und das Gesehene erst auf sich einwirken, bevor sie überzeugt wiederkommen, um sich ganz neu einzudecken. Manche drehen auch eine Runde im Laden und gehen wieder raus, nachdem sie entschieden haben, dass es nichts für sie ist. Vielleicht fehlt ihnen an Vorstellungskraft?
Aber bei Lebensmitteln, Emaillegeschirr, Alternativen zum Einweggeschirr für die Party und zur Frischhaltefolie, Thermos- und Getränkeflaschen, Essensbehältern, reiner Wolle und Strickwaren aus Amrum, recycelter Dirndlseide als Halsloop, Reinigungsmitteln und Kosmetik, Papeterie und vieles mehr, findet jede/r sein Glück. Der Laden lädt einfach zum Stöbern und Entdecken ein. Ein Tisch und zwei Bänken laden ebenfalls ein, sich Zeit zu lassen für eine Kaufentscheidung. Hier rast die Zeit nicht, hier schwebt eine gemütliche Atmosphäre in der Luft. Mit einer Handvoll „Nervennahrung“ (einer Nussmischung, die Katrin selber in kleinen Tüten verpackt), verläßt man gut geerdet den Laden wieder. Vielleicht gehört Plastik nur zum schnellen, schnellebigen Leben, da draußen, außerhalb der Plastikfreien Zone?

Bioplastik:
http://www.greenpeace.org/austria/de/marktcheck/News/bewusst-einkaufen/-2011/bioplastik-klimafreundlich/
https://www.greenpeace-magazin.de/der-schwindel-mit-%E2%80%9Ebioplastik%E2%80%9C

Es lebe die Plastikfreie Zone in München!
Plastikfreie Zone, Schlossstr. 7
81675 München-Haidhausen
U-Bahn-Haltestelle Max-Weber-Platz
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 11-19 Uhr
Sa. 11-18 Uhr
Webseite: naturlieferant.de