Rosies Tagebuch: Käserei, Kleinbauern, (G)Kesundheitswesen

Servus nach Deutschland!

Käse, Käse, Käse
Käse, Käse, Käse

Auf der Fahrt zur Uni in Realeza haben wir einen kulinarischen Zwischenstopp eingelegt und die Käserei der Firma Gran Maestri besichtigt. Der Betrieb einer italienischen Auswandererfamilie beschäftigt mittlerweile 75 Personen und verarbeitet bis zu 100.000 l Milch pro Tag. Die Milch stammt überwiegend von Kleinbauern (die durchschnittlich 250 l / Tag produzieren). Wir hatten nach der interessanten Führung die Möglichkeit Parmesan in verschiedenen Reifegraden zu probieren (5 Monate, 1 Jahr, 2 Jahre Reifezeit). In regelmäßigen Abständen kommen Experten aus Italien um die Qualität zu überprüfen (sie zahlen auch Lizenzgebühren an eine Firma in Italien). Der Käse ist so beliebt, dass sie sogar die Präsidentin beliefern. Demnächst ist auch die Umstellung auf „Bio“ geplant.

Im Universitätsrat sind auch die Kleinbauern vertreten die auch Mitinitiatoren der Universitäten waren. 70 % der Lebensmittel werden ja von Kleinbauern erzeugt. 2011 gab es ein Aktionscamp der Kleinbauern zur Entwicklung der Uni. Themen waren u.a. Jugend auf dem Land in Bezug auf Bildung, Umgang mit Ressourcen, Umgang mit moderner Kommunikationstechnik, Kultur und Freizeit. Eines der Ziele war auch Jugendliche heranzubilden die dann später Führungskräfte der „FETRAF“ werden. Die „FETRAF“ (Gewerkschaft der Kleinbauern) ist untergliedert und hat auch spezielle Jugend- und Frauengruppen. Bei einem Treffen durften wir auch den Vorsitzenden der Landjugend kennenlernen. Dieser sympathische hochmotivierte junge Mann berichtete uns von verschiedenen aktuellen Projekten. Mit dem Projekt „Terra solidaria“ werden 5000 Jugendliche gefördert. Sie bekommen Unterstützung beim Umbau des Hofes, Elementarversicherung, Vermarktung und bei Genossenschaftsprojekten. Des weiteren gibt es auch Kurse für nachhaltige Landwirtschaft. Die Bildung die staatlich gefördert wurde war bisher immer in Richtung Agrarwissenschaft und Industrie. An der Uni gibt es Aufgrund der Initiative der Bauern demnächst einen Studiengang Familienlandwirtschaft.

Im Aufbau befindlichen Hofladen (Bild 2)
Im Aufbau befindlichen Hofladen (Bild 2)

Eine Lehrerin für Sozialwirtschaft gibt Kurse speziell für Frauen um deren Selbstbewusstsein zu stärken. Neben den Themen praktische Landwirtschaft, Agrarindustrie, Lebensmittelkonservierung, Phytotherapie, Qualität der Lebensmittel, Wirtschaftlichkeit gibt es auch Hilfestellung bei Förderanträgen bzw. günstige Kredite für Investitionen. Die Kurse sind wie eine Multiplikatorenschulung aufgebaut damit das Wissen möglichst breit verteilt wird. Nach den diversen Gesprächen mit den einzelnen Gruppen konnten wir auch noch den im Aufbau befindlichen Hofladen (Bild 2) besichtigen. Neben Obst, Gemüse, Käse, Wurst, Nudeln, Gebäck waren auch Handarbeiten zu finden wie bestickte Tücher u. Decken oder gebundene Besen. Überrascht war ich als ich den Ständer mit Saatguttütchen für den Kleingarten näher betrachtet habe und feststellen musste, dass fast das ganze Saatgut wie z.B. Gurke, Radischen, Salat, Kohl, Tomaten gebeizt waren und hinten auf der Verpackung ein Warnhinweis mit einem Totenkopf war. Im Anschluss konnten wir die Köstlichkeiten die wir im Hofladen angeboten bekommen hatten bei einer gemütlichen Brotzeit im Büro der FETRAF probieren. Nach dem Gespräch kam ein Mitarbeiter der örtlichen Radiostation um Antonio zu interviewen und die neuesten Entwicklungen an der Uni abzufragen (Bild 3 – im Hintergrund an der Wand eine Berichterstattung der Projekte s.o. – jeweils 2 Fotos ein Projekt).

Ein sehr interessantes Gespräch hatten wir auch mit einer Professorin der Uni in Chapeco die uns die Pläne für den demnächst geplanten Studiengang schilderte. Die Ärzteausbildung soll mehr auf ganzheitliche Sicht (und das nicht nur auf den Körper sondern auch auf die gesamte Lebenssituation des Patienten gesehen) ausgerichtet sein. Die Ausbildung soll tierversuchsfrei gestaltet werden und auch alternative Methoden wie z. B. Homöopathie gelehrt werden. Allerdings sind viele ihrer Kollegen gegen diese Pläne und sie verfechten die bisher gelehrte Schulmedizin. Viele Ärzte wollen auch nicht im staatlichen Gesundheitssystem arbeiten (SUS) sondern in der Privatwirtschaft.

Vermutlich wird das aber nur realisiert wenn das Rektorat in dieser Konstellation bestehen bleibt. Im Mai sind Neuwahlen und es gibt starke Kräfte die gegen diese Neuerungen aktiv sind. Auf diesem Weg wünsche ich Antonio und dem jetzigen Rektor alles Gute für die Wiederwahl – damit sie weiter ihre interessanten und nachahmenswerten Ideen umsetzen können.

Bild 3 - im Hintergrund an der Wand eine Berichterstattung der Projekte
Bild 3 – im Hintergrund an der Wand eine Berichterstattung der Projekte

Rosi Reindl, Aktivistin und Gentechnikgegnerin und Mitglied unserer Gruppe verbringt den Winter 2014/2015 in Brasilien. Hauptsächlich um sich zu erholen. Aber eine Aktivistin ist immer eine Aktivistin, und so informiert sich Rosi auch vor Ort von den Gegebenheiten und den Auswirkungen des GVO-Anbaus.