Rosis Tagebuch: Besuch im Indianerreservat

Servus! Hier endlich der Bericht vom Besuch im Reservat der Kaingangi-Indianer.

Wir sind auf dem Weg ins Dorf
Wir sind auf dem Weg ins Dorf
Dieser Stamm hat sich am Besten integriert (ob das gut oder schlecht ist ist noch die Frage …)
Auf einer Fläche von 15600 ha leben ca. 6800 Menschen. Der Zugang zum Gebiet muss beantragt werden und ist nur möglich mit der Erlaubnis des von allen gewählten Bürgermeisters. Das Amt ist ehrenamtlich und wird hochgeachtet. Unser Treffpunkt war die Schule (Foto 1 – Parkplatz vor der Schule mit Blick auf einen Teil des Dorfes). Bei dem vereinbarten Treffen hatten wir die Möglichkeit die Schule zu besichtigen (Bild 2 Eingang Schule) und dem Bürgermeister und der Rektorin der Schule Fragen zu stellen. Bild 3 zeigt die Schule von oben.

Zusätzlich zum normalen Unterricht kommt noch Kunst, Kultur und Sprache der Kaingangi dazu. Teilweise findet die Ausbildung auch in der benachbarten Stadt statt. Eine Kooperation mit der Uni gibt es bereits (Quotenregelung an der Uni) Des weiteren ist ein Campusbau auf dem Gelände der Indianer geplant.

Jeder der Bewohner bekommt ein Grundstück für den Eigenbedarf (nützt er dieses Land nicht wird es weitergegeben an andere). Landwirtschaftliche Maschinen gibt es im Reservat nicht – im Bedarfsfall werden Maschinen ausgeliehen. Auch hier wird Soja angebaut (momentan noch gentechnikfrei aber mit Pestiziden behandelt – jedoch wird das auch heftig im Dorf diskutiert). Ansonsten bauen sie hier Maniok, Mais, Bohnen, Reis und Süßkartoffel an. Es wird unter anderem auch viel Fleisch gegessen. Fast ein Fünftel der Bewohner arbeiten im Schlachthof der nahegelegenen Stadt (unter schlechten
Bedingungen – naja, wie bei uns auch). Hier gibt es auch immer wieder Probleme mit alten Vorurteilen (Diebe, Arbeiten nicht zuverlässig) und Rassismus.

Der Strom muss dem Staat bezahlt werden. Das Wasser ist kostenlos. Ein großes Problem ist, daß der Müll nicht abgeholt wird (landet teilweise im Fluss u.s.w.). In Zukunft ist aber eine Sammlung und Sortierung geplant und der Verkauf von Wertstoffen.

Bei gesundheitlichen Problemen können sie das öffentliche Gesundheitssystem (SUS) nutzen. Zusätzlich werden Ambulanzfahrzeuge von der Regierung gestellt. Mittlerweile sind auch hier Bluthochdruck, Diabetes, Krebs die häufigsten gesundheitlichen Probleme oder Alkoholsucht, welche ebenfalls ein sehr großes Problem darstellt. Auf diesem Gebiet gibt es 14 Pfingstgruppen (streng katholische Gruppen) die sich um die Sozialarbeit (gegen Sucht, Prostitution u.s.w.) kümmern. Wenn es zu Streitigkeiten kommt oder wenn es Probleme mit Alkoholsucht oder Ähnlichem kommt werden diese in der Gruppe gelöst. Die Maßnahmen bestimmt der Bürgermeister (Sozialarbeit, Anbinden o.ä.). Bei Delikten wie Mord, Diebstahl, Waffenbesitz, Vergewaltigung ist die Bundespolizei zuständig.

Mitglieder anderer Stämme dürfen auch hier im Dorf wohnen wenn sie sich an die Regeln des Stammes halten. Einmal jährlich gibt es ein großes gemeinsames Fest im Dorf an dem alle teilnehmen. Es gibt etliche Resevoirs in dieser Form in der Gegend und vermutlich leben auch noch Indianer „illegal“ im Nationalpark (der Zutritt zum Park ist ja verboten).

Wir alle fanden es sehr spannend Einblicke in das Leben der Bewohner zu bekommen und bedankten uns sehr für die freundliche Aufnahme und die bereitwillige Beantwortung unserer Fragen.

Rosi Reindl, Aktivistin und Gentechnikgegnerin und Mitglied unserer Gruppe verbringt den Winter 2014/2015 in Brasilien. Hauptsächlich um sich zu erholen. Aber eine Aktivistin ist immer eine Aktivistin, und so informiert sich Rosi auch vor Ort von den Gegebenheiten und den Auswirkungen des GVO-Anbaus.