Rosis Tagebuch: Brasiliens Biobetriebe

Mit Netzen überspannten  Anpflanzungen als Sonnenschutz
Bild 1 – Mit Netzen überspannten Anpflanzungen als Sonnenschutz
Wir haben die Tage verschiedene Biobetriebe besucht. Eine Gemüsebäuerin die unterschiedliche Salatsorten, Zuchini, Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln, Maniok, Kohl, Gurken, Brokkoli und schwarze Bohnen (traditionelles Essen) anbaut, hat uns durch ihren Betrieb geführt. Der Versuch schwarze Bohnen gentechnisch zu verändern ist missglückt und so muss sie zumindest keine Auskreuzung in ihre Sorten fürchten. Es reicht schon, dass die mit der Abdrift zu kämpfen hat wenn der Nachbar kommt um sein Sojafeld (natürlich RR-Soja) mit Pestiziden zu besprühen.

Ach ja, es kam die Frage was ist RR-Soja – darum an dieser Stelle jetzt kurz die Erklärung.

RR steht für Round up Ready. Das ist ein Totalherbizid und vernichtet alle Pflanzen die damit besprüht werden, außer die gentechnischveränderten Sorten Mais, Soja, Raps, Baumwolle, Zuckerrüben u.s.w.. Das bringt den Vorteil, dass auch während der Wachstumsphase der Nutzpflanzen gesprüht werden kann. Allerdings sind in Brasilien schon 21 Beikräuter resistent
gegen dieses Spritzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat und die Bauern müssen immer mehr und in Mischung mit anderen Mitteln spritzen. Der Nachteil für uns – die Lebens- und Futtermittel sind immer stärker belastet mit Rückständen von verschiedensten Spritzmitteln (der letzte Test einer Schiffsladung aus Argentinien wies enorm hohe Werte auf).

So, jetzt aber wieder zurück zu den positiven Beispielen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft

Eine wunderschöne Bio-Pflanze
Bild 2 – Eine wunderschöne Bio-Pflanze
Die Biobäuerin erklärte uns mit welchen Pflanzen sie versuchen die Schädlinge abzuhalten. Mit Tabakpflanzen vor den mit Netzen (als Sonnenschutz) überspannten Anpflanzungen (Bild 1 und 2) werden die Pflanzen vor Insekten geschützt. Sie hat uns weitere Beispiele genannt und natürlich erwähnt, dass sie mechanisch gegen Beikräuter vorgehen. Gejammert hat sie etwas über die vielen Vorschriften die sie beachten muss wenn sie das Biosiegel behalten will. Hohe Kosten hat sie bei der Vermarktung der Ware weil alles verpackt werden muss. Das Saatgut stellen sie zum Teil selber her. Sie hat wie auch andere Bauern Probleme Arbeiter zu finden. Wenn die Kinder studieren verlassen sie meist auch den Hof bzw. die Region.

Der Betrieb eines Obstbauern hat uns natürlich besonders erfreut weil wir ausgiebig von den momentan reifen Früchten kosten und seine köstliche Marmelade bzw. Wein und Schnaps probieren durften. Natürlich habe ich gleich ein großes Glas Erdbeermarmelade als Geschenk für unsere Gastgeberin in Paraty mitgenommen (die Feigenmarmelade war mir zu süß).

Bei dieser Gelegenheit haben wir uns dann auch gleich das RR-Soja-Feld des Nachbarn näher angeschaut und die Pflanzen begutachtet. Die Knöllchenbakterien an den Wurzeln waren relativ gut ausgebildet (die letzten Sojapflanzen hatten nur schlecht ausgebildete). Sie sind dafür zuständig, dass die Pflanze es schafft Stickstoff aus der Luft dem Boden zuzuführen (Legominose). Allerdings wurzelten die Pflanzen ziemlich flach (Sojapflanzen wurzeln normalerweise tiefer). Nicht überrascht hat uns das Vorhandensein eines Käfers (Bild 3) der es schafft die Glyphosatduschen zu überleben. Er spritzt einen Wirkstoff in die Pflanzen der den Reifeprozeß vermindert bzw. stoppt. Gegen diesen Schädling muss dann nochmal extra gespritzt werden. Die Bäuerin hofft natürlich, dass es windstiller ist wenn gespritzt wird, damit ihre Pflanzen nichts (naja, nicht zuviel) davon abbekommen.

Pestizidresistenter Käfer auf einer Soja-Pflanze
Bild 3 – Pestizidresistenter Käfer auf einer Soja-Pflanze
In der Nähe der Felder war auch eine Eucalyptusanpflanzung. Das alleine ist schon etwas problematisch weil Eucalyptus einen Stoff aussondert der das Wachstum anderer Pflanzen behindert und Monokulturen eh meistens etwas problembehaftet sind. Aber Eukalyptus wächst sehr schnell und wird deshalb viel in der Papier- bzw. Holzindustrie gebraucht. Demnächst sollen auch gentechnischveränderte Eucalyptusbäume angepflanzt werden – in der Hoffnung das sie noch schneller wachsen. Diese gentechnisch veränderten Pflanzen benötigen nur die Hälfte der Zeit um die Dicke einer herkömmlichen Eucalyptusanpflanze zu erreichen.

Tja, wie ihr schon vermutet habt erzähle ich Euch gleich warum ich das für problematisch halte…

Die Qualität des Holzes wird natürlich schlechter dabei. Wenn das dann auf Holzplantagen der Bauern auskreuzt, lassen sich die Bäume nur noch als Papierholz verkaufen. Wer jetzt an Widerstand denkt oder gar Gegenwehr – vergesst es – die Bauern wissen gar nicht das so etwas geplant ist. Ich nehme auch an, dass so gut wie keiner hier weiß, daß im Landesteil Bahia gentechnischveränderte Mücken freigelassen wurden.

Jetzt bin ich dann erstmal unterwegs nach Sao Paulo zum Carneval und dann geht es nächste Woche weiter mit dem Bericht über den Besuch eines Indianer-Reservoir (Dank Antonio haben wir eine Erlaubnis erhalten).

Viel Vergnügen im Fasching
und bis bald mal
Rosi

Rosi Reindl, Aktivistin und Gentechnikgegnerin und Mitglied unserer Gruppe verbringt den Winter 2014/2015 in Brasilien. Hauptsächlich um sich zu erholen. Aber eine Aktivistin ist immer eine Aktivistin, und so informiert sich Rosi auch vor Ort von den Gegebenheiten und den Auswirkungen des GVO-Anbaus.